Wenn man den Namen Ruben Lenten hört denkt man wohl automatisch an extrem viel Wind und richtig dicke Kiteloops . Wir haben den jungen Holländer mit dem wohl aggressivsten Style der Pkra zu einem Inteview bewegen können.
Und das ist dabei rausgekommen:
KiteLife: Damit ich nicht gleich ins Fettnäpfchen trete: Welche Frage hasst du am meisten?
Len10: Ha! Gute Frage! Eigentlich gar keine! Jeder fragt ja anders. Es wird nur langweilig, wenn es immer dieselben Fragen sind, die sich dann dauernd wiederholen.
KiteLife: Wo bist du gerade? Mit wem trainierst du?
Len10: Im Moment bin ich in Perth in West-Australien. Ich trainiere nicht wirklich mit jemanden. Ich trainiere für mich allein und lass mich von den Locals an dem jeweiligen Strand motivieren. Es ist spaßig mit ständig neuen Leuten zu kiten. Sie fangen an sich zu gegenseitig zu puschen, eine gute Sache!
KiteLife: Wie wichtig sind dir Wettkämpfe?
Len10: Mir sind Wettkämpfe nicht mehr wirklich wichtig. Ich finde sie nicht aussagekräftig. Meistens sind die Bedingungen ohnehin scheiße und am Ende mach ich dann Tricks, die ich eigentlich nicht machen will. Ich trainiere in vielen unterschiedlichsten Bedingungen, um meine Tricks so gut wie möglich zu können. Wenn beim dann aber super Leichtwindbedingungen sind und sie trotzdem Versuchen, einen Contest durchzuziehen. Ich werd dann richtig sauer und das ist dann einfach zu stressig. Ich mag Wettstreit, gib mir einfach saubere 30 Knoten, ein paar gute Kicker oder Flachwasser und ich nehme es mit jedem auf… außer vielleicht Aaron… hehehe
KiteLife: Es gibt etliche Videos im Web, in denen du abgefahrene Kiteloops zeigst. Wie fühlt sich so ein Loop an? Wie muss man für solche Tricks ticken?
Len10: Kiteloops… ich liebe sie einfach! Die Querbeschleunigung wenn du ganz da oben bist… am besten ist es, wenn es richtig stürmt und ich mit 7 m² und 21m Leinen ordentlich angeblasen bin. Dann kann ich am besten kontrollieren, wie weit ich die Kites runterziehe. Mit kleinen Kites funktioniert das am besten, weil sie schnell drehen und du die Geschwindigkeit besser kontrollieren kannst. Krass wird es dann, wenn du dich da oben aushakst und einen Flat 3 ansetzt [Anm. d. R.: Handlepass, bei dem sich der Kiter in aufrechter Position einmal um die eigene Achse dreht]. Ich komm da langsam hin, sie runktionieren auch ganz gut, aber ich will sie bei 35knt in den größten Höhen durchziehen… wird aber noch werden…
KiteLife: Kennst du überhaupt keine Angst?
Len10: Nein, sorry
KiteLife: Du sprichst diese krassen Kiteloops an, bei denen du dich aushakst und dann anfängst, Handlepasses zu machen. Ist der Move deine Erfindung? Ist er schwer, oder brauchst du einfach nur “balls of steel”?
Len10: Ja, ist meine Erfindung. Das war nach einem Wettkampf in Tarifa, Spanien. Ich war sehr unzufrieden mit meinen Heats und es war noch ziemlich windig… ich hatte gerade die neuen Prototypen der 2007er Fuels bekommen. Ich ging raus und hab rausgeloopt [Anm: Originalzitat “I kitelooped the shit out if it”], bis mir das zu langweilig wurde und was neues kommen musste. Ich hab ein paar richtig hohe Loops erwischt und fing an, mich auszuhaken. Dann dachte ich ’scheiß drauf, ich mach’s’. Klar, braucht man die Eier dafür und ein bisschen Technik. Beim ersten Versuch hats mich gleich total zerledert. Ein paar Versuche später habe ich ihn geschafft. Ich war RICHTIG gestoked. In Brasilien hab ich mir dabei beinahe Bein gebrochen, war ein echt böser Abgang. Aber ich glaub das ist das Opfer, dass man bringen muss.
KiteLife: Wie oft verletzt du dich?
Len10: Hmm, wie oft verletze ich mich? Ich wünschte, ich könnte ‘nie’ sagen. Leider habe ich mich letztes Jahr ziemlich übel verletzt. Ich hab mein Fußgelenk so weit verdreht, so dass es alle Bänder zerlegt hat. Ich dachte, das würde schnell verheilen, aber ich wusste sehr bald, dass es länger dauern würde, als nur ein paar Wochen. Ich habe drei Monate gebraucht, um wieder aufs Wasser zu kommen und es hat immer noch hammer weh getan. So hab ich mich langsam rangetastet, bis alles ok war und ich wieder rocken konnte. Dann noch weiter positiv zu denken, ist echt schwer. Aber in meinem Kopf hört das kiten eben nie auf und ich verlerne es auch nicht. Ist bei mir wie mit dem Fahrradfahren, vielleicht etwas extremer, aber ok. Ich fühle mich super sicher, wenn ich kite, weil ich harte Abgänge gewohnt bin und ich weiß, wie ich stürzen muss. Ich bin jetzt manchmal im Fitnessstudio um in Form zu bleiben und diese blöden Verletzungen zu vermeiden.
KiteLife: Was ist das krankste, was du je gemacht hast?
Len10: Das krankste? Keine Ahnung. Ich versuche dauernd kranke Tricks und wenn die klappen, will ich sie toppen. Ich werde wohl bald mal Base-Jumping machen. Ich glaub, das ist krank!
KiteLife: Du sagst Noordwijk sei dein Lieblingsspot. Warum? Gibt es keinen bessern in Brasilien oder sobstwo? Warum ist er so schön?
Len10: Noordwijk ist mein Lieblingsspot, weil er mein Homespot ist, an dem ich meine Freunde habe. Ich fühle mich zu Hause, an Land und auf dem Wasser. Außerdem ist es gar nicht schlecht zum lernen dort. Manchmal hat das Meer dort Flachwasser, manchmal Kabbel und Welle - man lernt in verschiedenen Bedingungen.
KiteLife: Wegen deiner Videos bist du einer der bekanntesten Kiteboarder geworden. Da scheint es fast, als seien heftige Videos wichtiger, als Erfolg bei Wettkämpfen?
Len10: Sehe ich auch so. In einem Video kann ich wirklich zeigen, was ich kann und was für mich Kitesurfen bedeutet. Ladet mich zu eurem Homespot ein und urteilt selbst. Es werde weiter neue Videos machen. Ich habe richtig Bock, weiter den Sturm zu suchen…
KiteLife: Was meinst du? In welche Richtung wird sich das Kitesurfen in Zukunft entwickeln?
Len10: Es wird viele verschiedene Richtungen geben und die Leute werden es in allen Könnensstufen und Stilen genießen. Mit den Bow-Kites ist es heute sehr leicht, mit dem Sport anzufangen. Viele stehen auf Welle, nehmen einfach ihre Surfboards und ziehen ihr Ding ab. Ich finde aber, das sollte nicht in kleinen Wellchen passieren, das ist dann einfach schwul. Ich hoffe, dass einige beim Hardcore Freestyle dazukommen… Jungs, lasst uns weiter die Grenzen verschieben!
KiteLife: Wie denkst du über den Flatkite- bzw. Bowkite-Hype?
Len10: Die Flatkites kamen vor zwei Jahren auf den Markt. Sah anfangs alles noch ganz schick aus doch schon bald traten Probleme auf. Nicht die versprochene Sicherheit, Invertieren usw. Sie waren nicht gut für Freestyle wegen zu hohem Bardruck und einem komischen Drehradius. Mittlerweile sind Flatkites sicherer. Um jemanden in den Sport zu bringen und zum Schulen sind sie super. Für die Zukunft des Sports sehe ich sie aber nicht im Freestyle. Manche von denen, die zwei Jahre auf Bowkites fuhren und jetzt auf einen C-Kite gewechselt haben, waren auf dem selben Level wie vor zwei Jahren. Die meisten cruisen nur oder hüpfen ein wenig… Ich hoffe, dass die extreme Seite des Sports nicht ausstirbt, sieht alles etwas verweichlicht aus. Ich find es ja ganz schön, wenn Leute den Sport als Entspannung für sich gefunden haben, aber wer wirklich Tricks üben will sollte einen C-Kite nehmen… Rockt weiter, Leute!
KiteLife: Wie sehen deine Ziele für die Zukunft aus?
Len10: Mein Ziel ist es auf jeden Fall, den Sport zu pushen und so vielen Leuten wie möglich einen extremen Kite-Stil zu zeigen! Ich hoffe die Bedingungen spielen mit. Außerdem möchte ich Slingshot zusammen bessere Kites /Bars/Boards entwickeln. Und ich werde versuchen, mich zu benehmen.
KiteLife: Lass uns mal über Aaron reden, deinem Red Bull Team-Mitglied. Was hältst du von seinem Stil verglichen mit deinem?
Len10: Ok, Aaron hehe, der verrückte Typ…? Er ist mein Kumpel, es ist super lustig und entspannt, mit ihm abzuhängen. Auf dem Wasser ist er mein Favorit. Wir fahren gerne zusammen und pushen uns. Ich bewundere es, wie er sich selbst übertreffen kann. Er geht einfach raus und macht es, nichts scheint für ihn unmöglich. Ich habe auch Respekt wie er an Wettkämpfe rangeht. Er hat es einfach drauf, konzentriert und zielstrebig zu bleiben. “Dreifacher World Champ” sagt wohl genug aus, was für ein Typ er ist.
KiteLife: Hat er deinen Stil beeinflusst?
Len10: Auf jeden Fall hat er das getan. Er hat mir damals den Handlepass gezeigt, seine Technik und sein technischer Style sind unglaublich. Ich kite etwas weniger technisch und versuche dafür hoch, brutal und schnell!
KiteLife: Wie oft trainiert ihr zusammen?
Len10: Nicht sooo oft. Aber wir wissen immer, was gerade geht und bleiben in Kontakt. Während wir zusammen auf Tour sind versuchen wir, zusammen zu trainieren und abzuhängen. Wir werden auch in Zukunft so viel wie möglich zusammen trainieren
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