Der Niederländer Randy Hereman ist mit seinen zwanzig Jahren auf dem Weg nach oben. Obwohl er erst etwas mehr als vier Jahre kitet und dabei sogar eine etwas längere Verletzungspause hinter sich hat, schaffte er es beim deutschen PKRA Stop auf einen hervorragenden sechsten Platz. Doch seine Knieprobleme zwangen ihn dazu, diesen Winter noch einmal eine Pause zu machen. Deshalb haben wir einfach mal nachgefragt…
Kitelife: Hallo Randy. Wir haben gehört, dass du gerade außer Gefecht gesetzt bist, wie geht es dir denn?
Randy: Danke, eigentlich den Umständen entsprechend ganz gut. Ich wurde vor kurzem operiert und kann nun mit Radfahren anfangen, um wieder fit zu werden.
Kitelife: Jetzt berichte mal genauer, was hattest du denn und wie kam es dazu?
Randy: Der Unfall ist schon über ein Jahr her, als ich in Brasilien für die PKRA trainiert habe. Bei einem Kung-Fu S-Bend Handlepass ist mir die Bar aus der Hand gerutscht. Ich war zu hoch, der Kite ging nach unten und ich landete mit voller Wucht auf dem Board. Mein Knie hielt dieser Belastung einfach nicht stand. Ich habe mir dabei ein Kreuz-, sowie ein Seitenband und den Innenmeniskus gerissen. Zunächst wollte ich keine Operation und habe es so mit viel Training versucht. Das Härteste war es, bis ich wieder auf dem Board stand. Ich habe mich dann langsam wieder ans alte Level herangetastet. Die ganze Saison über wurde es immer besser, ich schaffte in Sankt-Peter Ording sogar einen sechsten Platz. Zwei Stops später gab es leider wieder einen Rückschlag, als ich mir das Knie verdrehte. Dabei ist mir klar geworden: Wenn du wirklich in der Weltspitze mithalten willst, dann brauchst du deine Bänder. So habe ich mich entschlossen, das Knie richten zu lassen. Wenn du willst kannst du ein Video der Operation meines Knies auf meiner Website downloaden.
Kitelife: Nicht gerade appetitlich, wenn auch interessant… Ich glaube wir sollten trotzdem besser das Thema wechseln… Erzähl uns doch mal bitte, wie es kommt, dass du nun mit Kiten deine Brötchen verdienst.
Randy: Gerne. Ich bin 1987 in Sneek in Friesland geboren und dann auch dort aufgewachsen. Schon als kleiner Junge war ich immer draußen und habe auf die ein oder andere Art Sport getrieben. Mittlerweile habe ich wohl so ziemlich alles ausgeübt was es so gibt, oder es zumindest versucht. Da meine Eltern ein Segelboot haben, so kam ich schon sehr früh in Kontakt mit Wind und Wasser. Mit Extremsportarten ging es dann zu meinem zehnten Geburtstag los, als ich von meinen Eltern Inlineskates bekommen habe. Das war schon viel Spaß, nur leider haben wir bei uns keine wirklich guten Fahrer. So konnte ich nicht so gut werden, wie ich es mir gewünscht hätte. Als ich dann zum ersten mal bei einer Tour mit unserem Segelboot den niederländischen Meister, Stef de Jong, gesehen habe, war ich infiziert. Der Junge ist extrem hoch und weit gesprungen, hat sein Board abgenommen und ist trotzdem weich gelandet. Da war für mich schon klar: Das musste ich probieren. Nur waren die Preise für das Material für einen 13-jährigen Jungen viel zu hoch, weshalb dieser Wunsch erst noch einmal drei Jahre auf Eis lag. Mit 16 habe ich dann endlich einen Kitekurs absolviert. Der erste Moment am Kite war großartig. Die Power, die dahinter steckt, ist ein super Gefühl. Eine Stunde später stand ich schon auf dem Board. Seitdem spielte Kitesurfen in meinem Leben eine wichtige Rolle.
Kitelife: Und wie kamst du als Hobbykiter zu den ersten Contests?
Randy: Ich hatte schon in den anderen Sportarten den Drang, zu den besten zu gehören. Als ich bei der Funsport Tour 2004, einem niederländischen Wettbewerb, teilgenommen und wurde gleich beim ersten Stop Dritter. Am Schluss holte ich mir sogar den Gesamtsieg. Dann kam Cabrinha auf mich zu und ich hatte meinen ersten Sponsor. Im Winter 2004/ 2005 ging ich dann mit meinen neuen Kites nach Brasilien um zu trainieren und konnte dann auch international zumindest mitfahren. National war ich danach schon ziemlich weit oben mit dabei.
Randy: An sich war ich sehr zufrieden mit meinem Sponsor. Es gab nur ein Problem: als der Crossbow auf den Markt kam, sollten die Teamfahrer diesen Kite fliegen. Ich habe eine zeitlang getestet und konnte schon bald alle meine Tricks damit machen. Aber das Gefühl war nicht mehr das Gleiche, es machte weniger Spaß. So habe ich mich auf die Suche nach einem neuen Sponsor.
Kitelife: Ist es jetzt nicht wieder das Gleiche? Jetzt musst du doch den Bandit fliegen, der doch auch für die Breite Masse konzipiert ist.
Randy: Das ist nicht ganz richtig. Raphael hat mir die Wahl gelassen. Als ich den Kite das erste Mal in der Hand hatte, dachte ich wirklich: „Oh nein, noch einmal.” Wir sprachen viel mit Raphael. Er bot uns auch an, statt Bandit den Tribal zu fliegen, wir sollten nur noch einmal ausgiebig testen. Ich habe mich dann eine Woche lang intensiv auf das neue Material eingeschossen. Danach wollte ich keinen Tribal mehr. Für mich ist nur sehr wichtig, dass der kurze Depowerweg montiert ist, dann macht mir der Kite erst richtig Spaß.
Kitelife: Dann erklär mal genau, was ist der Unterschied zu einem C-Kite wie dem Tribal bei Freestyletricks?
Randy: Der Bandit liefert sehr viel Grundzug. Man kann schon vor dem Aufladen der Kante erkennen, wie viel Pop der Schirm erzeugen wird. Ich fahre den Schirm mit sehr viel Druck. Zwar ist das am Anfang etwas beängstigend, doch es funktioniert ziemlich gut. Dazu liefert der Bandit die ganze Zeit über Druck. Bei C-Kites hast du einen kurzen aggressiven Pop, danach hängen deine Leinen kurz durch und du hast nichts in der Hand. Das ist natürlich Geschmackssache, aber ich mag es, weil ich nun auch weiß, was der Kite macht, während ich die Bar hinter meinem Rücken übergebe. Ich kann nun endlich auch mit den ganz kleinen Größen meine Tricks durchziehen, da ich immer weiß wo er steht.
Kitelife: Was ist denn besser, um neue Tricks zu lernen? Konstanter Zug, oder kurzer Pop?
Randy: In meinen Augen hängt das vom Fahrer ab. Manche lernen schneller, wenn sie keinen Zug auf der Leine haben, andere bevorzugen es, wenn die Leinen kurz durchhängen. Für mich bringt der konstante Zug noch einen weiteren Vorteil: ich lande so weicher, das ist wichtig mit den kaputten Knien.
Kitelife: An was für Tricks hast du denn vor der OP gefeilt und welche magst du eigentlich besonders gerne.
Randy: Ich war gerade an verschiedenen Varianten von doppelten Airpasses dran. Einige funktionierten vor der OP schon sehr gut. Aber wirklich einen herauszusuchen, das fällt schwer. Vielleicht Slimchance to wrapped… Aber ich hab auch so etwas wie einen Signature Move: Einen eingehakten 720 Kiteloop bei dem ich mich vom Kite in die zweite Rotation ziehen lasse. Das ist sicher nicht ganz so schwierig, aber mit viel Druck ausgeführt schockt das schon sehr. Und es sieht auch für Zuschauer, die keine Ahnung vom Kiten haben, echt spektakulär aus.
Kitelife: Siehst du denn darin ein Problem, dass viele von den Tricks mit tief stehendem Kite nur für Kiter interessant sind? Sollten Tricks nicht wieder in die oberen Stockwerke gehen?
Randy: Das glaube ich schon. Ich kann etwa 30 verschiedene Handlepasses und sieben Minuten, die ein Heat dauert, sind schon sehr kurz. Deshalb versuchen die meisten, so viele angepowerte Handlepasses wie möglich zu zeigen. Bei allen hohen Sprüngen verliert man viel Höhe und damit auch Zeit. Daher wäre es vielleicht eine Überlegung, dass jeder Fahrer in jedem Heat einen hohen Sprung, vielleicht auch noch ohne Handlepass, zeigen muss.
Kitelife: Kannst du die Oldschool Tricks denn überhaupt noch?
Randy: Ja, nach meiner Verletzung in Brasilien hatte ich viel Zeit, aber meine Knie waren noch nicht in Ordnung, so habe ich damals die Oldschool Tricks gelernt. Ich glaube aber, dass viele die nicht mehr beherrschen.
Kitelife: Wir hoffen ja, dass du bald wieder ohne Einschränkung kiten kannst. Wie nutzt du die Zeit bis dahin?
Randy: Nun gut, so lange ich noch nicht auf dem Wasser bin muss ich natürlich viel Reha- und Aufbautraining absolvieren. Aber ich habe auch noch verschiedene andere Projekte. Beispielsweise bin ich in einem lokalen TV Spot aufgetreten. Außerdem habe ich angefangen unter dem Namen „One Touch Reality” zu fotografieren. Bis ich fit bin, will ich meine Fähigkeiten als Fotograf so weit wie möglich ausbauen, vor allem was Extremsportarten angeht. Zusätzlich habe ich jetzt eine Firma gegründet, die sich „stock07.com” nennt. Die Seite soll einmal ein Netzwerk für Extremsportfotografie werden soll.
Kitelife: Dir scheint also nicht langweilig zu werden… Wie sieht dein weiterer Plan für 2008 aus, wann willst du wieder mitfahren und wie gut wirst du mithalten können?
Randy: Das weiß ich noch nicht ganz, die ersten Stops der PKRA werde ich wohl noch nicht dabei sein können. Aber ich hoffe, dass nicht zu viele ausfallen, spätestens im Sommer will ich wieder fit sein. Mein Ziel ist es, bis zum Ende des Jahres mindestens einmal aufs Treppchen zu kommen. Aber das ist auf jeden Fall noch eine Menge Arbeit…
Steckbrief:
Name: Randy Hereman
Websites: www.randyhereman.com, onetouchreality.com, stock07.com
Geburtstag: 30.04.1987
Sponsoren: F-one, Go Fast, SkullCandy, Mystic, Reef, Unwind.nl
Beste Ergebnisse: Vierter Platz World Cup Brasilien, vierter und zweiter Platz World Cup Belgien 06





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