Young Blood Camp 2007
Text: Tom Court, Peter Goldbach
Das zweite Jahr in Folge veranstaltete North das Young Blood Camp um das beste Nachwuchstalent des Kitesports ausfindig zu machen. Diesmal wurde der Event im Vergleich zum Vorjahr nochmals deutlich erweitert. So wurden über dreißig maximal neunzehn Jahre alte Talente aus mehr als zehn verschiedenen Ländern nach Ägypten zu einer Woche Intensivtraining eingeladen. Es ging für die Teilnehmer um mehr als nur Spaß, denn der beste sollte in Norths internationales Team integriert werden. Den Gewinner zu ermitteln war aufgrund der hohen Leistungsdichte nicht ganz einfach. Bei einer Woche mit jedem Tag Sonne und Wind war für viel Action gesorgt. Und das nicht nur auf dem Wasser, wie uns der Teilnehmer Tom Court berichtet…
Es war schon klasse, als dreißig der Weltbesten Youngster von überall in der Welt nach und nach an unserem Hotel eintrafen. Als alle gleichzeitig eincheckten, gab es jedem das Gefühl, an etwas Großem teilzuhaben. Es war schon ein größeres Chaos bis jeder der vierzig Beteiligten, die gleichzeitig eincheckten, sein Zimmer gefunden hat. Jeder wurde in ein Doppelzimmer mit einem Teilnehmer aus einem anderen Land gesteckt, um die Kommunikation zu fördern. Doch das war eh nicht unser Problem, denn es gibt Themen, mit denen jeder Siebzehnjährige etwas anfangen kann. Bier und Brüste zum Beispiel. Ich selbst war schon letztes Jahr beim Young Blood Camp in Rosas dabei, doch dieses Jahr war eine deutliche Steigerung. Es kamen so viele neue Gesichter. Neuzugänge aus Neuseeland, Australien, den USA, Großbritannien und Deutschland waren mit dabei. Das Camp wurde komplett neu aufgezogen, mit vielen zusätzlichen Aktivitäten. Alles hatte beste Vorraussetzungen: Das Hotel direkt am Strand, Blick aufs Meer, ein Lager für die Kites und Schließfächer für unsere Wertgegenstände, es hätte uns schlimmer treffen können. Mit einer schönen Lagune voll blauem Wasser und weiteren Strandbänken vor der Küste, machte der Spot einen guten Eindruck für eine Woche Kitesurfen.
Es dauerte schon ein paar Tage, bis jeder so richtig angekommen war. Das galt insbesondere für die, die noch nie auf einem Young Blood Camp gewesen waren. Jeder war total heiß darauf, aufs Wasser gehen und zu zeigen, was das letzte Jahr an Training gebracht hat. Jaime bremste uns ein wenig, damit wir uns nicht gleich am allerersten Tag umbrächten. Alle trainierten zusammen, bei teilweise sehr unterschiedlichem Könnensstand. Die besseren Fahrer waren bereits an doppelten Handlepasses und Mobe7 dran, während die anderen an Grabs und Boardoffs feilten. Jeder bekam ein persönliches Trainigsziel für das Camp, so hatten wir alle etwas vor Augen, worauf wir uns konzentrieren konnten. Bei den besseren Fahrern ging es meist um powervolle Handlepasses und alle möglichen Mobe-Varianten. Aber trotzdem war noch Zeit für die Basics. Wir erhielten auch Unterricht zum Thema Style. Verschiedene Grabs, auch bei einfachen Rotationen und simplen Tricks. Never forget the style!!
Nach so viel Zeit auf dem Wasser, tat das Buffet (all you can eat) wirklich gut. Mit kleinen Sitzgruppen war es ziemlich einfach, zwischen den verschiedenen Gruppen zu wechseln und jeden kennen zu lernen. Das Camp selbst hatte eine tägliche Routine, die uns Jaime erläuterte. Es ging los mit Frühstück, gefolgt von gemeinsamen Aufwärmen, Training, Mittagessen, freiem Kiten sowie Fotos und Videos und Yoga beziehungsweise Stretching. Meist gab es danach noch eine schriftliche Übung. Da es um einen Platz im internationalen Team von North ging, wollte natürlich jeder gewinnen. Die Kriterien, nach denen der Sieger ausgewählt werden sollte, ging über das Fahrkönnen hinaus. So waren auch körperliche Fähigkeiten, eine passende Persönlichkeit und Fähigkeiten im Bereich Vermarktung gefragt. Wenn man gewinnen wollte, musste man schon ein gutes Paket bieten, also sehr gut kiten, fit und gesellig sein und dazu noch etwas vermarkten können. Das gab jedem seine Chance, auch wenn der Focus natürlich beim Kiten lag. Jeden Tag drei Stunden Training in der uns nach Können zugeteilten Gruppe und dazu die freie Kitezeit machten natürlich den größten Teil des Camps aus. Jaime, Mallory, Cesar, Angela and Ania waren die Trainer der verschiedenen Leistungsgruppen. Sie legten den Schwerpunkt auf Wettkampf, Style bei Basic Tricks und Verbesserung der Technik. Im Verlauf der Woche wurde jeder ständig bewertet und in eine andere Gruppe versetzt, bis er schließlich an der richtigen Stelle war. Immer wieder gab es kleine Contests, deren Ergebnisse in die Endresultate eingingen. Sämtliche Aktivitäten, die in die Wertungen eingingen, wurden auf einer Tafel festgehalten, so dass jeder seine aktuelle Punktzahl und Position verfolgen konnte.
Die anderen Aktivitäten, die zur Wertung zählten, beinhalteten eine Vielzahl verschiedener Tests. Jeder Teilnehmer sollte schreiben und der Gruppe vortragen, warum gerade ER der richtige für den Platz im internationalen Team ist. Ich fand es nicht gerade einfach, das vor fast vierzig Leuten zu erklären, aber es war extrem witzig. Jeder hat eben seinen eigenen Sinn für Humor, langweilig wurde uns daher nicht. Auch sollten wir uns ein Produkt unserer Wahl aussuchen und versuchen, es der Gruppe so gut wie möglich zu verkaufen. Präsentation, Marketing, Sprache… Alles nicht unbedingt Begriffe, die man mit einem professionellem Kitesurfer verknüpft, aber deutlich wichtiger für einen Teamrider, als man es zunächst vermuten lässt. Am Ende hatte jeder sogar noch die Möglichkeit für seine Lieblingsfahrer zu stimmen und so das Endergebnis zu beeinflussen.
Es war toll, mit so vielen kranken Kerls und Mädels gemeinsam auf dem türkisblauen Wasser inmitten der Lagune zu rocken. Zum Trainieren einfach perfekt, so lange man der Koralle nicht zu nahe kam. Jeden Tag gab es etwas zu tun, sogar beim „freien” Kiten am Nachmittag. Jede Gruppe hatte verschiedene Aufgaben, die von Action- und Lifestylefotos über Interviews bis hin zu Portraits und Videoaufnahmen ging. Jeder war für sein eigenes Material verantwortlich. Das war für das Ranking sehr wichtig und gewann im Verlauf der Woche nochmals an Bedeutung, als der Favoritenkreis sich reduzierte. Kurz vor Ende der Woche schränkte Jaime das Feld auf die fünf Fahrer ein. Mark Jacobs aus Neuseeland sicherte sich letztendlich den Platz im internationalen Team, in erster Linie durch seine extrem gute Leistung auf dem Wasser. Er hatte auch den besten Wipeout auf Video: Einen sechs Meter hohen Kiteloop Slimchance den er in drei Zentimeter tiefem Wasser auf seinem Hintern landete. Auch wenn er am Schluss kaum noch laufen konnte, war er sehr glücklich, den Platz im internationalen Team gewonnen zu haben. Sein erster Auftritt als neues Teammitglied ist beim neuen Produktvideo für den Vegas 2008.
Auch wenn es vielleicht etwas komisch klingen mag, war das Camp wirklich harte Arbeit für jeden Beteiligten. Aber natürlich war es kein verbissener Wettstreit. Die Atmosphäre war superentspannt, jeder war freundlich und fast immer gut gelaunt. Wir hatten viel Spaß dabei, am Pool zu entspannen, die Regeln der Wasserrutsche zu übertreten oder die „all inklusive” Cocktails zu schlürfen. Einer der Tage war eingenommen von einem Ausflug zu einer Insel nahe Hurgada. Wir wurden von zwei großen Motorbooten abgeholt, gingen schnorcheln und hatten für unsere Trainingssession die Insel für uns alleine. Es war schon ein Aufwand, mit vierzig Leuten zu einer Kitesession zu fahren. Das ganze Material unterzubringen stellte sich als nicht ganz einfach heraus. Aber als wir alles verstaut hatten, gab es auf dem Trip viel zu Lachen. Wir übten Sprünge übereinander, ließen die Kites in den Pausen an der fünften Leine fliegen und tauschten unser Material so oft durch, bis jeder jeden Kite in fast allen Größen geflogen hat. Wir hatten schließlich auch die Aufgabe der R&D-Abteilung unser Feedback zu geben.
Kein Kitecamp wäre vollständig ohne die entsprechenden Partys. Ein Hotel mitten in der Wüste komplett für uns zu haben, hatte natürlich seine Vorteile, insbesondere da es eine kostenlose Bar gab, die jeden Tag bis Mitternacht geöffnet hatte. Es ging natürlich ganz schön ab, mit viel Hilfe von Murray Aldrich aus Großbritannien der nachdem er fast aus dem Hotel geworfen wurde am Ende den Party Award gewinnen konnte. Als die entgültigen Resultate ausgerufen waren, wurde es höchste Zeit noch einmal richtig Gas zu geben. Zum Abschluss gingen alle gemeinsam noch einmal in die Innenstadt von Hurgada, um einen würdigen Abschluss zu finden. Und das ist auch gelungen. Ich glaube, das ganze Camp hinterließ ein gutes Gefühl bei seinen Teilnehmern. Außer einem erweiterten Trickrepertoire brachte es uns allen jeweils 30 neue Freunde auf der ganzen Welt und somit beste Kontakte zum Reisen und Trainieren und das Young Blood Camp fortzusetzen.
Written by Tom Court

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